Charivari: Bedeutung, Anhänger und wie man es richtig trägt

Charivari mit Münzen, Gamsbart, Hasenpfote, Hornspitz und Rehhuf

Ein Charivari ist eine Schmuckkette, die Männer zur Lederhose tragen, quer über den Hosenlatz. Daran hängen Anhänger wie Hornspitzen, Tierzähne, Gamsbart oder Münzen, und jedes Stück erzählt etwas über seinen Träger.

Hier erfährst du, woher das Charivari kommt, wie man es richtig trägt, was man den einzelnen Anhängern nachsagt und worauf du beim Kauf achten solltest. Wir sind Familie Kube aus Bad Endorf und fertigen unter dem Namen Trachtenschmuck Stephan seit 1949 Trachtenschmuck.

Das Wichtigste in Kürze

  • Getragen: an der Lederhose, eingehängt an den beiden äußeren Knöpfen des Hosenlatzes.
  • Länge: meist um die 33 cm, je nach Lederhose etwas mehr oder weniger. Unsere Charivaris sind 35 cm lang.
  • Herkunft: ursprünglich eine Uhrkette, belegt schon in Münchner Stücken aus der Zeit von 1840 bis 1860.
  • Anhänger: Jagdtrophäen, Münzen und Erinnerungsstücke. Ihre Bedeutungen sind Überlieferung, keine festen Regeln.

Woher kommt das Wort Charivari?

Das Wort kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie Lärm oder Katzenmusik. Gemeint ist das Klimpern der vielen Anhänger, wenn sich der Träger bewegt.

Seinen Ursprung hat das Charivari als Uhrkette. Das Museum Europäischer Kulturen in Berlin bewahrt ein Charivari aus München auf, entstanden zwischen 1840 und 1860, rund 30 cm lang, an dem noch ein Uhrschlüssel und ein Müllerwappen hängen. Aus der praktischen Kette für die Taschenuhr wurde mit der Zeit ein Schmuckstück, das für sich allein steht.

Wie trägt man ein Charivari richtig?

Das Charivari hängt vorne an der Lederhose, quer über dem Hosenlatz. Die beiden Enden werden an den äußeren Knöpfen eingehängt, die Kette fällt dazwischen in einem leichten Bogen. Die Anhänger sitzen so mittig und gut sichtbar.

Einreihig oder zweireihig? Einreihige Modelle wirken schlicht, zweireihige kräftiger und festlicher. Das ist Geschmackssache.

Ob im Trachtenverein ein Charivari zur Festtracht gehört, entscheidet der Verein selbst. Im Zweifel fragst du am besten euren Trachtenwart.

Was bedeuten die Anhänger?

Den Anhängern werden seit jeher Bedeutungen zugeschrieben. Das ist gelebte Überlieferung und keine Vorschrift, darum gilt hier immer: Was dir etwas bedeutet, darf auch dran.

Anhänger Was es ist Was man ihm nachsagt
Hornspitz, Geweih Spitze vom Geweih oder Horn, gefasst gilt als Zeichen für Kraft
Zähne (Sauzahn, Grandl) Keilerzahn oder Eckzahn vom Rothirsch, oft als Nachbildung gilt als Zeichen für Mut
Krallen nur von nicht geschützten Tieren gilt als Zeichen für Weitblick
Münzen, Taler alte oder nachgeprägte Münzen, oft in einer Hornrose gilt als Zeichen für Wohlstand
Gamsbart, Hasenpfote, Rehhuf, Bergkristall Erinnerungen an Jagd und Berge persönliche Erinnerung, je nach Träger

Ein Beispiel aus unserer Werkstatt ist das Charivari „Maximilian“. Von links hängen dort Hornspitz, Hasenfuß, Rehhachs, Münze in Hornrose, großer Sauzahn, Bergkristall, Gamsbart und ein kleiner Sauzahn, also acht Anhänger an zwei Reihen.

Echte Trophäe oder Nachbildung?

Viele Charivaris tragen echte Naturstücke wie Hornspitzen, Rehhufe oder Gamsbart. Weil jedes Stück aus der Natur kommt, sieht auch jedes Charivari ein wenig anders aus. Andere Anhänger, etwa der Grandl, werden oft als Nachbildung gefertigt.

Wichtig beim Kauf: Teile von geschützten Tieren dürfen nicht gehandelt werden. Dazu gehören zum Beispiel Krallen von Greifvögeln, Federn geschützter Vogelarten und Teile vom Maulwurf. Seriöse Hersteller verwenden solche Anhänger nicht. Bei unseren Charivaris stammt kein Anhänger von einer geschützten Art.

„Drah di um, drah di um. Ein Hornspitz für das Charivari entsteht. Jedes Teil wird von Hand eingespannt und rausgedreht, echte Handarbeit. Im Anschluss wird der Stift mit einer Fassung für das Charivari versehen.“

Sebastian Kube, Trachtenschmuck-Manufaktur

Alte Regeln und Volksglaube

Rund ums Charivari kursieren ein paar Regeln, die man gern auf dem Festl hört:

  • Nur eine ungerade Zahl an Anhängern: ein schöner Brauch, aber keine Pflicht.
  • Ein Charivari darf man nur erben: Viele Stücke werden tatsächlich weitergegeben. Ein Charivari zu kaufen und selbst zum Erbstück zu machen, ist aber genauso Tradition.

Beides darfst du als Volksglaube erzählen, als feste Regel gilt es nicht.

Charivari für Damen?

In der Vereinstracht ist das Charivari Männersache. Für das Dirndl gibt es zierliche Dirndl-Charivaris, die am Mieder oder an der Schürze getragen werden. Sie sind Festmode, keine Vereinstracht, und auf Volksfesten sehr beliebt.

Silber oder versilbert?

Ein Charivari aus massivem Silber ist ein Erbstück und entsprechend teuer. Unsere Charivaris haben eine Kette aus galvanisiertem Messing in Altsilber-Optik, die Anhänger werden in unserer Werkstatt von Hand gefasst und montiert.

„Unsere Charivaris sind auch für alle eine Alternative, die das echt Silberne nicht aufm Festl tragen wollen.“

Sebastian Kube

Passend dazu findest du Trachtenmesser sowie Anstecknadeln und Hutschmuck.

Häufige Fragen zum Charivari

Wo trägt man das Charivari an der Lederhose?

Quer über dem Hosenlatz, eingehängt an den beiden äußeren Knöpfen.

Wie lang ist ein Charivari?

Meist um die 33 cm. Unsere Modelle sind 35 cm lang und passen an die meisten Lederhosen.

Wie viele Anhänger gehören an ein Charivari?

Dafür gibt es keine feste Zahl. Manche halten sich an eine ungerade Zahl, das ist aber Brauch und keine Regel.

Darf ich ein Charivari kaufen, oder muss ich es erben?

Du darfst es selbstverständlich kaufen. Dass man es nur erben darf, ist Volksglaube.

Ist ein Charivari ein gutes Geschenk?

Ja, zum Beispiel zur Hochzeit, zum runden Geburtstag oder zur ersten eigenen Lederhose. Mehr Ideen findest du unter Geschenke für Ihn.

Alle Charivaris für Herren ansehen

Weiterlesen im Ratgeber: Trachtenschmuck für Herren und Trachtenschmuck reinigen und pflegen


Über den Autor: Sebastian Kube führt mit seiner Familie die Trachtenschmuck-Manufaktur in Bad Endorf im Chiemgau. Unter dem Namen Trachtenschmuck Stephan fertigt die Familie seit 1949 Trachtenschmuck, Knöpfe und Schließen, heute in vierter Generation. Mehr über uns

Quellen: Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin (Charivari, München, um 1840 bis 1860); Wikipedia: Charivari (Schmuckkette); Bundesartenschutzverordnung und Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WISIA, Bundesamt für Naturschutz).